Musterbestände zum Waldumbau
Waldumbau auf wüchsigen Fichtenstandorten, Schwabniederhofen

Der 2,4 Kilometer lange Spaziergang führt durch den Wald der Waldgenossenschaft Schwabniederhofen. An sechs Beständen unterschiedlichen Alters werden verschiedene Maßnahmen eines klimagerechten Waldumbaus von Fichtenwäldern auf sehr wüchsigen Standorten vorgestellt.

Zum Spaziergang gibt es eine Audioführung. Laden Sie sich dafür die BayernHistory App auf Ihr Smartphone. Unter der Rubrik "Rundgänge" / "Waldumbau JETZT!" finden Sie die Audioführung.

Aktivierung erforderlichYouTube-Logo

Durch das Klicken auf diesen Text werden in Zukunft YouTube-Videos im gesamten Internetauftritt eingeblendet.
Aus Datenschutzgründen weisen wir darauf hin, dass nach der dauerhaften Aktivierung Daten an YouTube übermittelt werden.
Auf unserer Seite zum Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und können diese Aktivierung wieder rückgängig machen.

Ausgangslage

1971 wurde der „Rechtlerwald“ der Gemeinde Schwabniederhofen in eine Genossenschaft des öffentlichen Rechts überführt. Die sogenannten Rechtler hatten bisher Nutzungsrechte am Wald und wurden nun zu Genossen und Miteigentümern des 53 Hektar großen gemeinsam bewirtschafteten Waldes. Dank der wüchsigen Fichtenstandorte ist die Waldgenossenschaft ökonomisch sehr erfolgreich. Sie erfüllt jedoch auch ökologische und gesellschaftliche Ansprüche und bemüht sich seit einiger Zeit um einen klimagerechten Umbau der fast reinen Fichtenwälder. Dazu gehören u.a. das Einbringen klimastabiler Baumarten und die Ausformung stabiler Bestände durch entsprechende Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen. Das waldbauliche Vorgehen ist geprägt von der hohen Wuchskraft der Fichten und der geringen individuellen Stabilität der Bäume in alten Beständen.

Bestände

Vorbauen für die Zukunft - Buchen- und Tannenvorbau
Der etwa 1970 entstandene Fichtenbestand stockt, anders als die meisten anderen Bestände der Waldgenossenschaft, auf einem eher mattwüchsigen Boden mit Kalk im Oberboden. Daher besteht hier ein größeres Risiko für Rotfäule und Borkenkäferbefall. Die Dringlichkeit des Umbaus in einen gemischten Wald, ist größer als in Beständen mit besseren Bodenverhältnissen. Seit 2012 werden Vorbaugruppen aus Tanne und Buche und einzelnen Eiben angelegt.
Multifunktionale Buche - Buchenvorbau aus 1998
Etwa 1998 wurden die drei Buchengruppen als Vorbau unter Fichte angelegt. Die alten Fichten wurden mittlerweile komplett entnommen. Beschattung durch Altholz und Dichtstand fördern im Allgemeinen die Entwicklung zu Bäumen mit qualitativ hochwertigem Holz. Die Buche erfüllt generell wertvolle Funktionen im klimastabilen Wald. Sie fördert etwa durch leicht zersetzbare Streu einen günstigen Bodenzustand und stellt eine wichtige Lebensgrundlage für viele Arten dar.
Aus der Vergangenheit lernen - Buchentrupps aus den 1960ern
Nach einem Hagelwetter wurden auf der daraufhin entstandenen Kahlfläche in den frühen 1960er Jahren kleine Buchentrupps in die schon vorhandene Fichtennaturverjüngung gepflanzt. Wegen der geringen Größe der Trupps gibt es heute fast nur Randbäume mit schlechter Qualität. Trotzdem sind sie wertvoll, indem sie z.B. durch ihre flächige Verteilung den Bestand stabilisieren.
Vorsichtig umbauen - Verjüngung instabiler Fichtenbestände
Das äußerst wüchsige Fichtenaltholz entstand etwa um 1930. Lange Zeit fanden kaum Durchforstungen mit Eingriffen in die herrschende Baumschicht statt. Daher besteht der Bestand aus sehr vielen langen Bäumen mit kurzer Krone. Der Einzelbaum ist daher instabil. Die Bäume stützen sich gegenseitig. Jede Entnahme eines Baumes gefährdet diese sogenannte kollektive Stabilität. Um Sturm- und Windwurf zu vermeiden, muss bei der Verjüngung und dem Umbau solcher instabiler Fichtenbestände vorsichtig vorgegangen werden. Dazu werden hier das „Saumschlagverfahren“ und das „Bayerisch kombinierte Verfahren“ angewendet.
Konsequent fördern - Pflege im Fichtenjungwuchs
Fichten aus Naturverjüngung wachsen oft sehr dicht auf. Die einzelnen Bäume bedrängen sich gegenseitig und konkurrieren um Licht, Nährstoffe und Wasser. Einzeln beigemischte klimastabile Baumarten können dabei überwachsen werden und verloren gehen. Pflegeeingriffe zur Erweiterung der Standräume fördern einzelne Bäume und erhalten beigemischte Baumarten. Die geförderten Bäume werden besser versorgt und wachsen vital und stabil auf. Bei der „Standraumregulierung“ bleibt entweder alle zwei Meter ein Baum stehen oder ausgesuchte Bäume werden im Abstand von sieben bis acht Metern großzügig von Bedrängern befreit.
Mäßig und häufig - Kontinuierliche Durchforstungen
Zuwachsstarke Fichtenbestände müssen kontinuierlich gepflegt werden, damit möglichst vitale und stabile Einzelbäume ausgeformt werden. Die ausgewählten Bäume sollten stets eine große grüne Krone von mindestens einem Drittel der Baumlänge haben. Berühren sich die Baumkronen, ist eine Durchforstung nötig. Die Eingriffe erfolgen nur mäßig, dafür aber in kurzen Intervallen, hier z.B. waren es in 12 Jahren vier Durchforstungen. Voraussetzung für eine schadensfreie Durchforstung und auch spätere Verjüngungsmaßnahmen ist eine Feinerschließung durch dauerhaft erkennbare Rückegassen.

Impressionen von den Dreharbeiten

Lageplan und Anfahrtsbeschreibung

In Schwabniederhofen am Maibaum Richtung Westen der Kapellenstraße folgen. An der Kapelle am Ortsende links halten und geradeaus weiter. An der nächsten Kreuzung rechts auf der Asphaltstraße nach Norden Richtung Wald abbiegen. Geradeaus weiter. Am Waldrand am Parkplatz vorbei. Das Fahrverbotsschild darf für den Besuch des Spaziergangs unbeachtet bleiben. Auf der Asphaltstraße geht es aufwärts im Wald und dann auf Wiesen ca. 800 m weiter zum Parkplatz mit kleinem Laubwäldchen. Ab hier geht es nur zu Fuß weiter auf der Forststraße.

Lageplan - BayernAtlas Externer Link Externer Link

Zurück zur Übersichtsseite der Musterbestände im Amtsbereich

Musterbestände zum Waldumbau

Allgemeine Hinweise für Ihren Besuch

Das Betreten der Musterwaldbestände erfolgt auf eigene Gefahr.
Es erfolgen keine Sicherungsmaßnahmen gegenüber typischen Waldgefahren, die sich aus der Natur oder der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung ergeben. Vermeiden Sie es, die Bestände während und nach Stürmen oder anderen markanten Wetterlagen zu betreten, da dann eine große Gefahr durch herabfallende Äste oder Baumteile besteht. Bitte achten Sie auch auf festes Schuhwerk, da es sich um unwegsames Gelände handeln kann und hinterlassen Sie den Wald so, wie Sie sich auch Ihren eigenen Wald wünschen (Müll bitte mitnehmen).